Alfred Brenner

EIN PATRONAT DER ALTEN SCHULE

Alfred Brenner wurde am 3. Februar 1894 in Baden-Baden geboren. Der Vater Camille besaß und leitete seit 1882 das Hotel Stephanie an der Lichtentaler Allee, das unter seiner Regie bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu einem der führenden Hotels Deutschlands ausgebaut wurde. Die Mutter Augusta war eine Tochter des Baden-Badener Hotels Messmer, das zwischen 1872 und 1888 wegen der zahlreichen Kaiserbesuche Furore machte. 

Der junge Alfred besuchte in Baden-Baden die Volksschule und anschließend die hiesige Oberrealschule. Er war während des Ersten Weltkriegs Soldat, erhielt 1917 die badische Verdienstmedaille und wurde zum Leutnant befördert. Nach dem Krieg bereiste er neben einigen europäischen Ländern auch die USA, um seine Ausbildung im Hotelfach abzurunden.

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Wie sein Bruder Kurt, so widmete auch Alfred Brenner sein ganzes Leben dem Hotel und der Familie, die nach dem überraschenden Tod von Camille Brenner mit dem größten Hotelkomplex Südwestdeutschlands zurecht kommen musste.

Im September 1923 übernahmen die beiden Brüder Kurt und Alfred gemeinsam die Vorstandschaft der Brenner-Aktiengesellschaft. Sie wohnten mit ihren beiden Frauen und der Mutter Augusta, die sich schon zu Beginn der 1920 aus der Geschäftsführung zurück gezogen hatte, in der Villa Schillerstrasse 2, direkt neben dem Hotel Stephanie.

Heddy Brenner galt in Baden-Baden als vornehme Schweizer Hotelierstochter und erschien trotz über 50jähriger Ehe mit Alfred Brenner nicht sehr oft in der Öffentlichkeit. Die Brüder arrangierten sich in den 1930er Jahren: Kurt leitete das "Stephanie" (1963 wurde das Haupthaus abgebrochen, heute Standort des Kongresshauses) und Alfred übernahm das 1913 zum Konzern gekommene Parkhotel.

Alfred Brenner trat besonders durch sein Engagement für die Mitbürger seiner Vaterstadt nach dem 2. Weltkrieg hervor. Von 1947 bis 1962 war Alfred Brenner Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion. Ministerpräsident Kurt-Georg Kiesinger zeichnete ihn bei seinem Ausscheiden mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik aus: "Das Land und die Stadt Baden-Baden sind Alfred Brenner zu großem Dank verpflichtet. Er hat sich jederzeit gemeinnütziger und gesamtwirtschaftlicher Arbeit gewidmet und nie die Scheuklappen des reinen Interessenten getragen."

Alfred Brenner war auch im Zweiten Weltkrieg Soldat, diente bei einer Luftwaffeneinheit. Die Rückkehr aus dem französischen Kriegsgefangenenlager La Flech erfolgte am 12.6.1946.

Als das Brenners Park-Hotel zur ersten Nachkriegssaison im Jahre 1950 eröffnete, stand Alfred Brenner an der Spitze der Hotelleitung. Seine Verdienste erschöpften sich aber nicht in seiner Leistung als Hotelier. Er widmete einen erheblichen Teil seiner Zeit und seiner Kraft dem Gedeihen des deutschen, ja auch des europäischen Hotelgewerbes. 

Nach dem Krieg und der Besatzungszeit ergriff er die Initiative zum Zusammenschluss vieler Hotels in der "Internationalen Hotelgruppe", später Deutsche Sektion IHA, deren Vorsitz er sechs Jahre lange inne hatte. Er war es auch, der nach dem Krieg die internationalen Beziehungen des deutschen Hotelgewerbes wieder anknüpfte und den Beitritt der deutschen Hotels in die Int. Hotel Association herbeiführte. 

Eines seiner großen Verdienste war die bahnbrechende Durchdringung der Hotellerie mit den Grundsätzen der modernen Betriebswirtschaftslehre. Auch der Aufbau des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München wurde maßgeblich vom ihm initiiert und betrieben. 

Alfred Brenner war es, der ab Anfang 1958 als allein zeichnungsberechtigtes Vorstandsmitglied die Ära der Familie Brenner im Hotel an der Oos beendete. Als letzter der Brenner-Geschwister verkaufte er 1967 seine Anteile an die Oetker-Gruppe. Ab dem 1. Januar 1968 lebte er als Pensionär in der Villa Brenner in der Schillerstraße, ganz in der gewohnten Umgebung bei "seinem" Parkhotel. 

Dr. Lotz vom Internationalen Hotelverband sprach anlässlich seines 75. Geburtstags: Es sei heute schwer zu sagen, ob die größten Verdienste Alfred Brenners für das deutsche Hotelgewerbe in der Führung auf steuerlichem Gebiet, in der Durchsetzung sachgerechter steuerlicher Regelungen, in der wirtschaftspolitischen Arbeit oder in der Wiederanknüpfung der internationalen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg liegen.

In seinem Testament vermachte Alfred Brenner seiner Vaterstadt 100.000 Mark für gemeinnützige Zwecke.

Robert Erhard